Nur wer sich selbst führt, kann andere führen

Nur wer sich selbst führt, kann andere führen
Photo by Jehyun Sung / Unsplash

Du willst führen.

Dein Team. Dein Business. Deine Kunden. Vielleicht deine Familie. Vielleicht sogar etwas Größeres.

Du willst Einfluss haben. Wirkung erzielen. Menschen bewegen. Etwas aufbauen, das zählt.

Aber hier ist die unbequeme Wahrheit:

Du kannst niemanden führen, den du nicht zuerst in dir selbst geführt hast.

Du kannst kein Team zu Höchstleistung führen, wenn du dich selbst nicht zu Höchstleistung führen kannst.

Du kannst andere nicht inspirieren, wenn du dich selbst nicht inspirieren kannst.

Du kannst anderen keine Klarheit geben, wenn du selbst keine hast.

Du kannst anderen keinen Halt geben, wenn du selbst keinen hast.

Selbstführung ist nicht eine von vielen Führungsqualitäten.

Selbstführung ist das Fundament aller Führung.


Die Illusion der äußeren Führung

Wir leben in einer Welt, die äußere Führung glorifiziert.

Wir bewundern die CEOs, die große Teams leiten. Die Unternehmer, die Imperien aufbauen. Die Leader, die Massen bewegen.

Wir studieren ihre Strategien. Ihre Taktiken. Ihre Methoden.

Wir denken: Wenn ich nur lerne, wie sie andere führen, werde ich auch erfolgreich sein.

Aber wir übersehen etwas Entscheidendes:

Die besten äußeren Führer sind zuerst die besten inneren Führer.

Sie haben nicht mit anderen angefangen. Sie haben mit sich selbst angefangen.

Sie haben gelernt, ihre eigenen Gedanken zu führen – bevor sie die Gedanken anderer beeinflusst haben.

Sie haben gelernt, ihre eigenen Emotionen zu führen – bevor sie die Emotionen anderer navigiert haben.

Sie haben gelernt, sich selbst zu motivieren – bevor sie andere motiviert haben.

Sie haben gelernt, sich selbst treu zu bleiben – bevor sie Loyalität von anderen erwartet haben.

Das ist kein Zufall. Das ist Kausalität.

Äußere Führung ist ein Spiegel innerer Führung.


Was Selbstführung wirklich bedeutet

Selbstführung ist nicht Selbstdisziplin.

Selbstdisziplin ist, dich zu zwingen, Dinge zu tun, die du nicht tun willst.

Selbstführung ist tiefer. Es ist die Fähigkeit, dich selbst bewusst in die Richtung zu lenken, die du wählst.

Selbstführung bedeutet, deine Gedanken zu führen.

Nicht jeder Gedanke, der auftaucht, ist wahr. Nicht jeder Gedanke verdient deine Aufmerksamkeit. Nicht jeder Gedanke sollte dein Handeln bestimmen.

Selbstführung bedeutet, bewusst zu wählen, welchen Gedanken du folgst – und welche du ziehen lässt.

Selbstführung bedeutet, deine Emotionen zu führen.

Nicht unterdrücken. Nicht ignorieren. Führen.

Emotionen sind Informationen. Sie zeigen dir etwas. Aber sie sollten nicht das Steuer übernehmen.

Selbstführung bedeutet, Emotionen zu fühlen, zu verstehen – und dann bewusst zu entscheiden, wie du handelst.

Selbstführung bedeutet, deine Energie zu führen.

Wo fließt deine Energie hin? In Sorgen? In Ablenkungen? In Dinge, die nicht wichtig sind?

Selbstführung bedeutet, deine Energie bewusst dorthin zu lenken, wo sie den größten Unterschied macht.

Selbstführung bedeutet, deine Aufmerksamkeit zu führen.

In einer Welt, die ständig um deine Aufmerksamkeit kämpft, ist die Fähigkeit, selbst zu bestimmen, worauf du dich fokussierst, eine Superkraft.

Selbstführung bedeutet, deine Aufmerksamkeit zu besitzen – nicht sie an jeden abzugeben, der danach greift.

Selbstführung bedeutet, deine Handlungen zu führen.

Nicht reaktiv durchs Leben zu stolpern. Sondern bewusst zu wählen, was du tust – und was du nicht tust.

Selbstführung bedeutet, der Autor deines Lebens zu sein, nicht nur ein Charakter in der Geschichte eines anderen.


Der Spiegel der Führung

Hier ist etwas, das ich in meiner Arbeit immer wieder beobachte:

Die Probleme, die Menschen mit ihrem Team haben, sind fast immer Spiegel der Probleme, die sie mit sich selbst haben.

Der Unternehmer, der sich beschwert, dass sein Team keine Eigenverantwortung übernimmt – übernimmt oft selbst keine volle Verantwortung für sein Leben.

Die Führungskraft, die frustriert ist, dass ihre Mitarbeiter nicht klar kommunizieren – kommuniziert oft selbst nicht klar mit sich selbst.

Der Coach, der sich wundert, warum seine Klienten nicht ins Handeln kommen – kommt oft selbst in wichtigen Bereichen nicht ins Handeln.

Das ist kein Zufall. Das ist ein Gesetz.

Du ziehst an, was du bist. Du führst, wie du dich selbst führst.

Wenn du innerlich chaotisch bist, wird dein Team chaotisch sein.

Wenn du innerlich unklar bist, wird deine Kommunikation unklar sein.

Wenn du innerlich unsicher bist, wird deine Führung unsicher sein.

Und umgekehrt:

Wenn du innerlich klar bist, wird deine Führung klar sein.

Wenn du innerlich ruhig bist, wirst du Ruhe ausstrahlen.

Wenn du innerlich stark bist, wirst du Stärke vermitteln.


Die Geschichte eines Unternehmers

Vor einiger Zeit kam ein Unternehmer zu mir, der kurz davor war, sein gesamtes Team auszutauschen.

"Sie sind nicht committed", sagte er. "Sie übernehmen keine Verantwortung. Ich muss alles kontrollieren, sonst passiert nichts. Ich bin umgeben von den falschen Leuten."

Ich hörte zu. Und dann stellte ich ihm eine unbequeme Frage:

"Wie committed bist du – zu dir selbst? Wie viel Verantwortung übernimmst du für dein eigenes Leben, deine Gesundheit, deine Entwicklung?"

Stille.

Als wir tiefer gingen, kam die Wahrheit ans Licht:

Er erwartete von seinem Team Dinge, die er selbst nicht lebte. Er verlangte Disziplin, während er selbst undiszipliniert war. Er forderte Klarheit, während er selbst unklar war. Er wollte Commitment, während er selbst ständig zwischen Prioritäten sprang.

Sein Team spiegelte ihn. Perfekt.

Wir begannen nicht mit Team-Strategien oder Führungstechniken. Wir begannen mit ihm.

Wir schauten uns an, wo er sich selbst nicht führte. Wo er Versprechen an sich selbst brach. Wo er seine eigene Energie verschwendete. Wo er selbst nicht das lebte, was er von anderen erwartete.

Er begann, jeden Morgen eine Stunde für sich zu reservieren – nicht für Arbeit, sondern für seine eigene Ausrichtung. Er begann, seine Gesundheit ernst zu nehmen, die er jahrelang vernachlässigt hatte. Er begann, klare Entscheidungen zu treffen, anstatt alles offen zu halten.

Er wurde zum Führer seiner selbst.

Und dann passierte etwas, das ihn überraschte:

Sein Team veränderte sich. Ohne dass er es direkt adressiert hatte. Die gleichen Menschen, die vorher "nicht committed" waren, begannen, mehr Verantwortung zu übernehmen. Die Kommunikation wurde klarer. Die Energie im Unternehmen verschob sich.

Er hatte niemanden ausgetauscht. Er hatte sich selbst verändert.

Und sein Team hatte reagiert – auf den neuen Leader, der er geworden war.


Die Bereiche der Selbstführung

Selbstführung ist nicht abstrakt. Sie zeigt sich in konkreten Bereichen:

Dein Körper.

Führst du deinen Körper – oder lässt du dich von ihm führen?

Bestimmst du, was du isst, wie du dich bewegst, wann du schläfst? Oder bestimmen Gewohnheiten, Gelüste und Bequemlichkeit?

Wer seinen Körper nicht führen kann, wird Schwierigkeiten haben, irgendetwas anderes zu führen.

Dein Geist.

Führst du deine Gedanken – oder führen sie dich?

Kannst du fokussieren, wenn du fokussieren willst? Kannst du loslassen, wenn Loslassen angesagt ist? Kannst du wählen, worüber du nachdenkst?

Wer seinen Geist nicht führen kann, wird von ihm geführt – meist in Richtungen, die nicht dienen.

Deine Emotionen.

Führst du deine Emotionen – oder führen sie dich?

Kannst du Angst fühlen und trotzdem handeln? Kannst du Wut fühlen und trotzdem besonnen reagieren? Kannst du Unsicherheit fühlen und trotzdem entscheiden?

Wer seine Emotionen nicht führen kann, wird reaktiv durchs Leben gehen – und reaktiv führen.

Deine Zeit.

Führst du deine Zeit – oder führt sie dich?

Bestimmst du, wie dein Tag aussieht? Oder bestimmen andere – durch ihre Anfragen, ihre Erwartungen, ihre Dringlichkeiten?

Wer seine Zeit nicht führen kann, wird nie genug davon haben – egal wie viel er hat.

Deine Beziehungen.

Führst du deine Beziehungen – oder lässt du dich von ihnen führen?

Wählst du bewusst, mit wem du Zeit verbringst? Setzt du Grenzen, wo Grenzen nötig sind? Investierst du in die Beziehungen, die wirklich zählen?

Wer seine Beziehungen nicht führen kann, wird von den falschen Menschen in die falschen Richtungen gezogen.

Deine Finanzen.

Führst du dein Geld – oder führt es dich?

Weißt du, wohin dein Geld fließt? Triffst du bewusste Entscheidungen? Oder reagierst du nur auf das, was kommt?

Wer sein Geld nicht führen kann, wird immer davon abhängig sein – egal wie viel er verdient.


Der erste Schritt zur Selbstführung

Selbstführung beginnt mit einer einfachen Frage:

Wo führe ich mich selbst nicht?

Sei ehrlich. Radikal ehrlich.

Wo brichst du Versprechen an dich selbst?

Wo lässt du dich von Emotionen steuern, anstatt sie zu führen?

Wo verschwendest du Energie an Dinge, die nicht wichtig sind?

Wo lässt du andere bestimmen, wie dein Leben aussieht?

Wo weißt du, was du tun solltest – und tust es trotzdem nicht?

Das sind die Bereiche, in denen deine Selbstführung Lücken hat.

Und das sind die Bereiche, die sich in deiner äußeren Führung spiegeln werden.


Die Praxis der Selbstführung

Selbstführung ist keine einmalige Entscheidung. Es ist eine tägliche Praxis.

Beginne den Tag mit dir selbst.

Bevor du dich der Welt widmest, widme dich dir. Bevor du andere führst, führe dich selbst.

Das kann Meditation sein. Journaling. Bewegung. Stille. Was auch immer dich zentriert und ausrichtet.

Die erfolgreichsten Menschen, die ich kenne, beginnen ihren Tag nicht mit E-Mails. Sie beginnen mit sich selbst.

Halte die Versprechen an dich selbst.

Jedes Versprechen, das du dir selbst gibst und hältst, stärkt deine Selbstführung.

Jedes Versprechen, das du brichst, schwächt sie.

Fang klein an. Aber fang an. Und halte, was du dir versprichst.

Überprüfe dich regelmäßig.

Nicht nur am Jahresende. Regelmäßig.

Wo führe ich mich gut? Wo nicht? Was braucht Aufmerksamkeit? Was braucht Veränderung?

Selbstführung erfordert Selbstbeobachtung. Du kannst nicht führen, was du nicht siehst.

Umgib dich mit Menschen, die sich selbst führen.

Du wirst wie die Menschen, mit denen du Zeit verbringst.

Wenn du dich mit Menschen umgibst, die sich selbst führen, wird es leichter, dich selbst zu führen.

Wenn du dich mit Menschen umgibst, die sich treiben lassen, wirst du dich auch treiben lassen.

Wähle bewusst.


Die Wirkung auf andere

Wenn du dich selbst führst, passiert etwas Interessantes:

Du musst weniger führen.

Menschen folgen natürlich jemandem, der sich selbst führt. Sie spüren die Klarheit. Die Integrität. Die Kraft.

Du musst nicht überzeugen. Du musst nicht manipulieren. Du musst nicht kontrollieren.

Du bist einfach jemand, dem andere folgen wollen.

Du führst durch Sein, nicht durch Tun.

Die mächtigste Form der Führung ist nicht, was du sagst oder tust.

Es ist, wer du bist.

Wenn du verkörperst, was du lehrst, braucht es weniger Worte.

Wenn du lebst, was du forderst, braucht es weniger Kontrolle.

Wenn du bist, was du von anderen erwartest, braucht es weniger Überzeugung.

Du wirst zum Leuchtturm.

Ein Leuchtturm versucht nicht, Schiffe zu überzeugen, ihm zu folgen.

Er steht einfach da. Er leuchtet. Und Schiffe orientieren sich an ihm.

Das ist die höchste Form der Führung.

Nicht ziehen. Nicht drücken. Nicht manipulieren.

Einfach sein. Und dadurch den Weg zeigen.


Die Einladung

Bevor du das nächste Buch über Führung liest.

Bevor du das nächste Seminar über Leadership besuchst.

Bevor du versuchst, andere besser zu führen.

Frag dich:

Wie gut führe ich mich selbst?

Wo sind die Lücken? Wo sind die Brüche? Wo sage ich eine Sache und tue eine andere?

Das ist der Ort, an dem die wirkliche Arbeit beginnt.

Nicht bei den anderen. Bei dir.

Denn die Wahrheit ist:

Du kannst andere nur so weit führen, wie du dich selbst geführt hast.

Du kannst anderen nur das geben, was du selbst hast.

Du kannst nur der Leader sein, der du innerlich bereits bist.

Also werde dieser Leader. Zuerst in dir. Dann in der Welt.

Das ist der Weg.


Du kannst niemanden führen, den du nicht zuerst in dir selbst geführt hast. Selbstführung ist nicht eine von vielen Führungsqualitäten – sie ist das Fundament aller Führung. Wer sich selbst führt, muss andere nicht überzeugen zu folgen. Sie folgen von selbst.

Matt Zimmermann

Matt Zimmermann

Switzerland